Qigong

 

"Der Sinn von Qigong ist es, mit der eigenen inneren Kraft in Kontakt zu kommen.
Aus dieser Kraft heraus läßt sich das Leben gestalten und viele Dinge geschehen wie von selbst. Sie ist Leere und gleichzeitig Fülle, ein inneres Universum und zugleich eine kleine leuchtende Perle."

QigongAlle menschlichen Aktivitäten bedürfen einer gewissen Lebensenergie. Qigong, im alten China auch als „die Kunst der Lebenspflege“ bezeichnet, ist ein Weg zur Kultivierung, Verstärkung und Verfeinerung der eigenen Lebensenergie – bestehend aus Atemübungen, Körperbewegungen und geistigen Vorstellungen. Die Grundlagen dieser mehr wie 2000 Jahre alten Kunst basieren auf der traditionellen chinesischen Medizin

Qigong ist eine Heilmethode, eine Kunst zur Entwicklung innerer Stärke und eine Meditationsform, die langfristig einen Gemütszustand innerer Ruhe, Heiterkeit und geistiger Klarheit hervorbringt. Gleichzeitig ist Qigong eine moderne Form des Energiemanagements.
Die Praxis des Qigong steigert die Vitalität und Selbstheilungskräfte, verleiht dem Körper Flexibilität und Geschmeidigkeit, bewirkt eine Anregung des Energieflusses und führt zur allmählichen Auflösung von körperlichen und seelischen Spannungen.

Was ist Qigong?

Alle Qigong-Praktiken basieren auf drei Grundsätzen:

  1. Die Atmung führt die Bewegung bzw. die Bewegung verändert die Atmung. Indirekt kommt es dadurch zu einer Bewegung und Harmonisierung des Qi.
  2. Der Geist leitet das Qi.
  3. Der Geist weilt in Stille und das Qi harmonisiert und zentriert sich von selbst.

Grundsätzlich lassen sich zwei Typen von Qigong unterscheiden:

  1. Bewegtes Qigong und
  2. Stilles Qigong.

Bewegtes Qigong ist in der Regel einfacher, da keine starke Geisteskraft erforderlich ist. Die meisten Anfänger beginnen daher mit bewegtem Qigong: sie erlernen eine Form aus ca. 10-20 Bewegungen, die in fließender und harmonischer Abfolge wiederholt werden.
Beim bewegten Qigong leitet die Atmung die Bewegung bzw. durch die Bewegung kommt es zu einer Veränderung der Atmung. Dadurch bewegt sich das Qi:
Es kommt zum Fluss und zur Harmonisierung der Lebensenergie und damit zur Verbesserung der Gesundheit.

Stilles Qigong wird generell als höherwertig und schwieriger angesehen. Im stillen Qigong gibt es keine Bewegungen mehr. Man unterscheidet generell zwei Ebenen des stillen Qigong:
1. Das Qi wird  direkt durch die Vorstellungskraft geleitet. Es folgt also allein dem zweiten Grundsatz „Der Geist leitet das Qi". Dadurch kann die Energie tief in den Körper eindringen: in die inneren Energiezentren, ins Rückenmark, ins Gehirn und sogar bis ins Mark der Knochen. Keine sportliche Übung kann diese Effekte erzielen!
2. Der Geist konzentriert sich auf einen "Punkt"  - z.B. den Unterbauch oder das Zentrum des Gehirns - und wird stiller und stiller. Das Qi vermehrt, verfeinert und beruhigt sich von ganz von selbst. Es fließt dorthin, wo es gebraucht wird. Diese zweite Ebene des stillen Qigong dient grundsätzlich der Kultivierung des Geistes. In ihr erhält der Praktizierende Einsichten in die Struktur des Ichs und in tiefe Prinzipien  des Lebens, die auf der Ebene des Sinneswelt nicht erkennbar sind. Des öfteren entfalten sich auch besondere Fähigkeiten wie z.B. Hellsichtigkeit etc., besonders wenn der Übende nicht danach strebt!
Stilles Qigong gilt in China als eine der höchsten Künste, da es – über Jahre praktiziert – viele geistige Fähigkeiten und innere Kräfte entwickeln kann.

QigongWas ist die Essenz von Qigong?
Es gibt eine Unzahl von Qigong-Übungen und sogar eine Vielzahl verschiedenster Qigong-Schulen. Was ist nun die Essenz von Qigong?
Was haben alle Schulen und Übungen gemeinsam?

  1. Entspanne dich.
  2. Werde eins mit den Kräften der Natur.
  3. Sammle die Lebenskräfte im Unterbauch.
  4. Öffne dein Herz, leere den Geist und stärke die innere Kraft.

Die Ebenen des Qigong
Qigong wirkt auf verschiedenen Ebenen:

  • physische Ebene
  • emotionale Ebene
  • mentale / intellektuelle Ebene
  • Ebene der besonderen Fähigkeiten
  • geistige Ebene (Intuition, Weisheit)

Was unterscheidet Qigong von Taiji?
Das Üben von Taiji, dem chinesischen Schattenboxen, besteht hauptsächlich aus dem Erlernen einer Taiji-Form: einer längeren Abfolge verschiedenster langsamer und tierartiger Bewegungen, die ursprünglich zur Anwendung im Kampf gedacht waren.
Die Ausübung dieser Form führt auf lange Sicht, genau wie Qigong, zur Harmonisierung und Stärkung der Lebensenergie und zur Verbesserung der Gesundheit.
Im Qigong arbeitet man mit Hilfe des Geistes und der Atmung direkt mit der Lebensenergie Qi. Im Qigong können Bewegungen vorkommen, müssen aber nicht. Falls Bewegungen eingesetzt werden, dienen Sie zur Regulation des Energieflusses und zur Stärkung der inneren Organe. Sie sind in der Regel wesentlich einfacher zu erlernen als im Taiji und zudem niemals zur Anwendung im Kampf gedacht.
Da es im Qigong nicht um das Erlernen einer Kampfkunst geht, sind alle Übungen so konzipiert, dass sie eine direkte medizinische und auch psychische Wirkung aufweisen. In den meisten Qigong-Übungen „bestrahlt" oder aktiviert man zudem bewusst verschiedene Akupunkturpunkte.

Mit freundlicher Erlaubnis übernommen von Carsten Dohnke, Tao Hamburg und Ausbilder von Qigong-Lehrern im E.max.

 

Qigong und Taoismus – ein Interview mit Carsten Dohnke im Oktober 2012  von Ilona Strohschein

Ilona: Qigong hat viele verschiedene Bewegungsformen. Das Tao ist so umfassend, dass sich viele Menschen hier nichts darunter vorstellen können. Ab März 2013 gibt es in Sachsen erstmalig eine Ausbildung “Qigong und taoistisches Training“. Was kann man sich darunter vorstellen?
Carsten: Qigong ist eine Methode, die Vitalität und Gesundheit auf der Energie-Ebene bringt. Das Tao ist das SEIN, ein Urvertrauen, eine tiefe Verbundenheit mit dem großen Ganzen auf der SEINs-Ebene. Das heißt, wir nutzen Qigong als Brücke zum Tao – denn Qigong ist aus dem Taoismus heraus entstanden. Wir kommen durch die Bewegungen, Meditationen, Visualisierungen immer mehr bei unserem Wesenskern, bei dem was wir wirklich sind, an.
Ilona: Wie kann ich mir das vorstellen?
Carsten: Qigong ist wie ein Schlüssel in unsere große Schatzkammer im Innersten. Es verleiht uns Stabilität, bringt unsere Natürlichkeit zum Fließen, lehrt uns, loszulassen und zu entspannen – die Chinesen sagen: den Vogel in der Hand nicht zu erdrücken, und zu schmelzen, eins zu sein mit Himmel und Erde. Das ist wie ein Samen, der sich entwickeln kann, immer weiter wächst und eine Verbundenheit mit dem Leben auf der Basis eines tiefen, unerschütterlichen Vertrauens schafft.
Ilona: Ich erkenne noch nicht das Besondere daran?
Carsten: Wer Qigong wie eine Fitness-Gymnastik nutzt, der kann den Schlüssel zu den innersten Schätzen nicht finden. Die Aufmerksamkeit ist im Außen und oberflächlich. Dank meiner rund 30jährigen Erfahrungen und der permanenten Arbeit mit den chinesischen Meistern habe ich eine didaktisch ausgereifte Struktur entwickelt, um in die Tiefe zu gehen. Die recht umfangreiche Kuanyin-Form vermittle ich bereits im ersten Ausbildungsschritt. Sie wird dann in allen Trainings wiederholt und ausgefeilt, unter anderen Aspekten neu beleuchtet. So kommen die Schüler Schritt für Schritt auf tiefere Levels. Hier erschließt sich dann der Zugang über die Zusammenhänge aller asiatischen Lehren.
Ilona: Heißt das, man bewegt sich den ganzen Ausbildungstag?
Carsten: (lacht) Es gibt immer Sequenzen von Bewegung und Stille, auch inneres Qigong genannt, Meditationen – das Leeren des Geistes, Heilbehandlung mit Mantren, Energiearbeit, Visualisierungspraktiken, Grundlagen der Chinesischen Philosophie und der Traditionellen Chinesischen Medizin. Die taoistischen Heilbehandlungen, die zum Ende der Ausbildung jeder Teilnehmer erlernt, sind ziemlicheinmalig im deutschen Raum. Das ist das Besondere an dieser Ausbildung. Ich vermittle die Kernprinzipien und damit sehr nachhaltige persönliche Erfahrungen. Man kann sagen, dass diese Ausbildung sehr umfassend ist. Und das Spannende darin ist, dass sich die verschiedenen Kernbereiche gegenseitig  ergänzen. Das ist ein Grund, weshalb Anfänger sowie bereits ausgebildete Qigong-Lehrer dieses Training so schätzen, es als Weiterbildung nutzen und immer gerne auch wiederkommen. Dafür verbringe ich jedes Jahr 3 Monate mit meinem chinesischen Meister, um es hier so tiefgründig weitergeben zu können.
Ilona: Also getreu dem Satz: Wenn der Schüler bereit ist, kommt der Lehrer?
Carsten: Ganz genau. Das ist ein ganz wertvoller Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung. Deshalb nutzen viele Trainer anderer Fachbereiche diese Ausbildung als Ergänzung ihres eigenen Methodenkoffers. Und noch etwas: so ernsthaft und gründlich es ist, genauso viel Spaß macht es auch. Ich freue mich auf diese Zeit!

Ilona: Vielen Dank für das Gespräch.

 
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